Sehen wir den Stress unserer Kinder?

Diese Woche wurde bei RTL Extra das Thema Stress behandelt. Jenke von Wilmsdorff hat sich mal wieder einem Experiment unterzogen, welches m.E. jedoch so interessant war wie kaum eines zuvor (der Flüchtlichsbericht bleibt natürlich ungeschlagen!) In Anlehnung an eben dieses Experiment wurde darauf eingegangen, wie Kinder Stress empfinden und die grundlegende Frage „wie gestresst sind unsere Kinder“.

Sofort musste ich mich fragen, ob dies denn in irgendeiner Weise auch auf unsere große Tochter zutreffen könnte. Wer meinen Blog verfolgt hat, weiß, dass es in der nahen Vergangenheit gplaymobil-442954_1280roße Spannungen in der Schule gab und die Lehrer ungefragt und berechnend versuchten, Einfluss auf die Schulwahl der Kinder zu nehmen, indem Sie z.B. die Kinder einzeln zu ihrem Wunsch befragten und sich ihnen gegenüber bereits vor dem Empfehlungsgespräch nicht mit der persönlichen Einschätzung zurückhielten. Das ganze Halbjahr herrschte erhöhter Druck, da das Zwischenzeugnis für die Anmeldung an der weiterführenden Schule relevant war. Dazu die Tatsache, dass es ein sehr kurzes Halbjahr war, die Zahl der Klassenarbeiten musste reduziert werden – noch größerer Druck. Nicht zu vergessen die üblichen Freizeittermine wie Musikunterricht, Reiten etc, auf die die Kinder selbst nur ungerne verzichten.

Es ist keine Frage – es liegt an uns Eltern, den Kindern den Druck zu nehmen, Ihnen zu vermitteln, dass sie sie selbst bleiben sollen. Doch beginnt der Stress schon in dem Moment, wenn eine Klassenarbeit zurückgegegen wird. Irgendeiner fragt immer „ich hab ne 2 und was hast Duuuuu?“. In unserer Gesellschaft herrscht der permanente Vergleich. Läuft das Kind zwei Monate später, wird gleich der Kinderarzt befragt, ob das Kind wirklich normal ist. Hat es mit sechs noch kein Seepferdchen, kann sicher irgendwas nicht stimmen. Und auf jeden Fall sollten die Kinder mit allerspätestens dreieinhalb Jahren Rad fahren können.

Sicherlich habe ich beim ersten Kind diese Dinge mit mehr Anspannung betrachtet und mit des Öfteren mitreißen lassen. Auch heute nehme ich mich nicht grundsätzlich aus und muss mich selbst noch ermahnen, Vergleiche im Kopf abzuschalten. Beim zweiten Kind sehe ich alles viel entspannter. Sicher kommt mit hier auch der relativ große Abstand von sechseinhalb Jahren zugute. In dieser Zeit kann man viel lernen.

Ehrlich gesagt, bin ich gestern etwas erschrocken, als in der Reportage von stressbegleitenden Symptomen gesprochen wurde wie Zähneknirschen z.B. Sofort musste ich daran denken, als die Große sich mal in unser Bett verkrümelt hat und ich angewidert das Gesicht verzog, weil sie in nicht unerheblichem Maße mit den Zähnen hässliche Geräusche verursachte. Auch das Schnarchen, dessen unsere Große ein Meister ist in der letzten Zeit, kann ein Stress-Symptom sein.
Ich gebe zu, der gestrige Bericht hat mich sensibilisiert für den Stresszustand unseres Kindes. Zeit, vermehrt darauf zu achten, dass wir als Eltern möglichst wenig Druck ausüben (dies kann ja durchaus auch unbewusst geschehen).

Wie können wir wirklich zuverlässig erkennen, wann ein Kind gestresst ist?
Kleine Hilfestellungen konnte ich auf diesen beiden Seiten finden:

Schule und Familie

RTL Stresstest

Ich für meinen Teil möchte nicht, dass unsere Tochter dauerhaft unter Strom steht und so im schlimmsten Fall ein Stück wohlige Kindheit auf der Strecke bleibt. Es ist unglaublich wichtig, gemeinsame, ruhige Momente am Tag zu finden. Wir lieben es, abends gemeinsam mit beiden Kindern eine Geschichte zu lesen. Oft liest die Große auch der Kleinen vor und beide sind selig dabei. Ich ziehe auch ein großes Ruhepotential daraus, dass ich die Kleine ins Bett bringe und warte, bis sie schläft. Mich stört dies nicht – im Gegenteil. Andernfalls würde ich die Küche aufräumen in dieser Zeit – weitaus weniger Ruhepotential 😉

Kinder erleben in ihrem späteren Leben, auch schon in der späteren schulischen Laufbahn nicht unerhebliche Stresszeiten, denen sie nicht entfliehen können. In der Freizeit kann es auch zu nicht unerheblichen Anhäufungen von Stress kommen. Oft wollten die Kinder Reiten, Musikinstrumente lernen, Freunde treffen, Fußball u.v.m. Jedoch ist es unsere Aufgabe, darauf zu achten, dass es nicht Überhand nimmt und die Kinder sich nicht selbst überschätzen. Im Grundschulalter sind sie m.E. noch nicht in der Lage, diese Einschätzung zu 100% zuverlässig selbst zu treffen. Umso stressiger kann es auch werden, wenn zwischen den Freizeitterminen noch für einen Klassenarbeit gelernt werden soll.

Deshalb….lasst uns weniger hetzen, wenigerstress-391659_1280 vergleichen, weniger Hochleistung verlangen. Gönne Deinem Kind Freiheit, Ruhe und vielleicht auch mal die ein oder andere miese Note. Sie werden es uns später danken.

Alles ist relativ 😉

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