Neu oder gebraucht?

In einem Paralleluniversum ohne Kinder, mit viel Geld und der festen Überzeugung, immer das Beste, Neueste und Schickeste haben zu müssen konnte ich mir kaum vorstellen, etwas zu kaufen, was vorher andere benutzt haben. Fremde Menschen, die ich nicht kenne. Die ich nicht einschätzen kann und deren Hygiene-Sinn mir unbekannt ist. Ja ich gebe aus heutiger Sicht wirklich zu, dass diese Einstellung wirklich hochgradig versnobt war. Auch wenn ich mich nie als solchen gesehen habe und auch keinen wirklichen Grund dazu hatte….gebrauchte Dinge mochte ich nicht. Ich wollte stets die volle Nutzungszeit für jeden Artikel ganz alleine für mich haben.

Nun, gute 10 Jahre später, denke ich nur noch: Alles Quatsch!savings-box-161876_1280

Artikel werden neu gekauft, ausgepackt und erhalten nach dem ersten Drücken des Knöpfchens oder dem Entfernen des Preisschildes bereits das Prädikat „gebraucht“. Unabhängig davon, ob das Teil schon 5 Jahre auf dem Buckel hat oder gerade mal 5 Wochen – möchte jemand einen gebrauchten Gegenstand verkaufen, muss er einen recht deutlichen Preisabschlag hinlegen, um ihn überhaupt für Käufer interessant zu machen. Diese Tatsache mache ich mir heute zu Nutze und überlege bei vielen Dingen, ob sich ein Blick in die Kleinanzeigen lohnt. Im Laufe der Zeit lernte ich auch Flohmärkte zu lieben. Es macht unglaublichen Spaß, durch die Hallen zu schlendern und in Ruhe Klamotten, Spielzeug oder Bücher zu durchforsten. Ich bevorzuge solche, bei dem Artikel einen Festpreis haben und man an einer Kasse bezahlt. Normale Flohmärkte mit Standgebühr, Tischen und Kuchenspenden besuche ich weniger oft. Wenn, dann richte ich mich nach den angezeigten Preisen. Leider fehlt mir das Verhandlungs-Gen…

Kann man wirklich ALLES gebraucht kaufen? 

Sicher muss man ganz klar unterscheiden, welchen Sachen gebraucht ein absolutes No-Go sind und welche gerne jemandem abgekauft werden können.

Folgende Beispiele würde ich aus hygienischen Gründen höchstwahrscheinlich bevorzugt neu kaufen:

  • Küchengeräte
  • Unterwäsche
  • Schuhe
  • Brotdosen
  • Matratzen

Hierbei muss ich aber nochmals betonen, dass dies mein ganz persönliches Empfinden ist. Ich habe ein gesundes Hygieneverständnis und möchte nichts gebraucht kaufen, was vorher schon mit Lebensmitteln oder Körperöffnungen in Berührung gekommen ist, da ich selten nachvollziehen kann, wie der Vorbesitzer damit umging. Also schließe ich diese Sachen aus und kaufe sie neu…natürlich nicht ohne knallharten Preisvergleich 😉 Aber auch hier bestätigen Ausnahmen die Regel. Es kommt eben immer darauf an, von wem man etwas abkauft.

Das absolute GO für mich sind inzwischen Kinderklamotten. Wir haben das Glück, für die Kleine einen Stammlieferanten zu haben. Ist ihre Kleine aus etwas rausgewachsen, passt es unserer garantiert. Früher haben wir der Großen wahnsinnig gerne mal Teile von Esprit oder S.Oliver gekauft, weil sie einfach toll aussehen. Heute kann ich nicht mehr nachvollziehen, wie wir so viel Geld für einen Pullover flea-market-804760_1920ausgeben konnten, der nach 3 Monaten ohnehin wieder zu klein ist. Bei den Klamotten meiner Freundin sind sehr oft solche Markensachen dabei, die auch in 2. oder 3. Hand noch immer toll aussehen. Der Preis ist aber nur noch ein Bruchteil dessen, was es neu kostete. Leider fehlt eine solche Quelle beim großen Kind. Hier müssen wir vieles doch neu kaufen.

Bei gebrauchter Kleidung gibt es auch einen Punkt, den ich sehr schätze.
Sie ist schon oft gewaschen worden, hing vielleicht sogar im Freien zum Trocknen. Der Anteil der beim Neukauf leider oftmals enthaltenen Schadstoffe hat sich so schon gut reduziert und die Gefahr von Allergien, die ausgelöst werden können oder sonstige Folgen nimmt ab. Denn sind wir mal ehrlich – die wenigsten können es sich dauerhaft leisten, schadstofffreie Kleidung bei Hess Natur oder sonstigen Bio-Labels zu kaufen.

Bei Online-Kleinanzeigen auf den Bauch hören

Gerade im letzten Jahr lief bei uns viel über ebay Kleinanzeigen. Die Kinder hatten Wünsche, die sie sich mit ihrem Gesparten erfüllen wollten. Beispiel: Poäng-Relax-Sessel von Ikea. Dieser kostet neu inkl. Bezug 59,- €. Wir haben ihn für 16,- € bekommen. Ich trete locker in Kontakt mit Verkaufern und verlasse mich auf mein Bauchgefühl, ob diese(r) ehrlich ist oder versucht, einem etwas anzudrehen, was nicht wirklich dem entspricht, was auf den Fotos zu sehen ist. Folgende Dinge entscheiden bei mir hier über Kauf oder nicht Kauf:

  • Wie ist die Anzeige geschrieben? Ausführlicher Text oder Stichpunkte?
  • Wirkt der Text freundlich und ehrlich auf mich?
  • Werden Gründe genannt, weshalb der Artikel verkauft wird?
  • Wird erwähnt, ob es sich um einen Nichtraucherhaushalt handelt?
  • Antwortet der Verkäufer kurz angebunden, muffelig, zeigt er echtes Interesse?
  • Wird auf die Nachfrage nach dem Zustand und Beschädigungen eingegangen?

Wenn die Beantwortung dieser Fragen mir das Gefühl gibt, dass er oder sie ehrlich ist, gehe ich über in die Preisverhandlung. Wichtigster Ansatz hier: IMMER ein gutes Stück unter dem angegebenen Preis anfragen. Recherchiert man vorher im Netz den durchschnittlichen Verkaufspreis, hat man eine gute Basis und weiß, welchen Preis man fordern kann.

Im Falle des o.g. Ikea-Sesgarage-sale-151190_1280sels wurde wiederholt betont, wie gut er noch aussehen und dass er nur 6 Monate als Stillsessel mit Decke verwendet wurde. Gekauft, abgeholt und maßlos begeistert gewesen. Das gute Stück sah aus wie frisch aus dem Verkaufsregal geholt, das Kind hatte die Verkäuferin beim Abholen sogar auf dem Arm 😉

Beim Kauf eines Playstation-Spiels erwähnte ich, dass es ein Nikolausgeschenk sein soll – und bekam ein liebevoll eingepacktes Geschenk, dass ich der Großen fix und fertig in den Stiefel stecken konnte.

Die Kleine bekam vor fast 3 Jahren ein Flexa-Bett. Es stellte sich als Besuchsbett für eine Enkelin heraus, die ab und an bei der Oma übernachtete. Gespickt mit tollem Zubehör (und Flexa-Experten wissen, was das Zeug neu kostet!!!), Nutzungsdauer unterm Strich 1 Jahr, wurde es uns für weniger als ein Drittel des Neupreises verkauft.

Jedes einzelne Mal hat sich der Eindruck, den ich durch die vorherige Kontaktaufnahme vom Verkäufer gewonnen habe, bestätigt. Ich denke, ich hab hier eine ganz gute Menschenkenntnis. Wirklich erstaunlich, was wir über die Jahre durch solche Aktionen für ein Geld gespart haben.

Schaut immer genau hin, lest die Anzeige mehrfach durch. Fragt lieber einmal mehr nach als einmal zu wenig. Und sehr wichtig – immer das Teil beim Abholen vor Ort nochmal genau anschauen.

Fazit

Ich freue mich, wenn ich etwas ohne große Sucherei neu kaufen kann. Diese Sucherei mit dem anschließdenden Erfolg aber, das absolute Superschnäppchen erwischt zu haben, hat was Befriedigendes und macht einfach einen Heidenspaß 🙂 Jeder muss für sich entscheiden, ob er den Haushalt anderer erleichtern möchte. Ich bin absolut PRO gebraucht mit wenigen Ausnahmen. Warum nicht der Wegwerfgesellschaft entgegen wirken. Win-win!

 

 

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