Lehrer als Werbeträger – das macht Schule (aus)!

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Morgen ist es soweit – das Beratungsgespräch mit der Klassenlehrerin unserer Großen steht an. Mein Mann arbeitet extra von zu Hause, um daran teilhaben zu können und ich schmiede schon Pläne, welche Wehwehchen ich vorschieben könnte, um es mir zu ersparen… 😉

Ich habe schonmal in einem früheren Post berichtet (hier entlang 😉 ), dass seit Dezember bewusst daran gearbeitet wird, dass die Kinder, die gerne das Gymnasium besuchten möchten, den Mut daran verlieren und sich gar nichts mehr zutrauen. Zuletzt wurden sie einzeln immer wieder mal nach dem Unterricht von ihrer Lehrerin abgefangen und befragt, ob sie denn schon wüssten, welche Schule sie besuchten wollen und – im Falle einer Gesamtschule – welchen Zweig. Sofern ihr die Antwort nicht gefallen hat, kam direkt ein abwertendes Kommentar für jeden á la „DAVON würde ich Dir abraten“ oder „DAS solltest Du Dir nochmal überlegen“. Dies kam mehrfach vor und ich verurteile es zutiefst. Sie fragte auch alle „Abgänger“, warum sie denn nicht auf der Schule bleiben wollen. Hier sei zu erwähnen, dass wir einen Real- und Hauptschulzweig mit Förderstufe haben. Die coole Antwort unserer Tochter hierauf: „Weil ich mal was anderes sehen und Neues ausprobieren will!“.

Wir sind davon überzeugt, dass ein kompletter Schulwechsel nach der Grundschule gut fürs Kind ist. Es schult ihre Selbstständigkeit und erweitert ihren Horizont. Neue Stadt, neue Lehrer, neue Mitschüler. Das alles macht sie aus eigenem Antrieb so neugierig, dass sie uns seit Tagen einschwört „Ihr lasst  Euch das aber nicht ausreden…ja?!“ Werden wir ganz sicher nicht.

Eine andere Mutter aus der Klasse erzählte mir gestern, dass sie ihr Gespräch bereits hatte und dort Einigkeit herrschte, da Sohnemann erstmal die Förderstufe besuchen will und somit auf der Schule bleibt. Kommentar der Klassenlehrerin „Das Gymnasium ist auch eher was für Kinder wie Julia* (Name geändert). DIE wird da ganz sicher keine Probleme haben“. Wie sollen sich Eltern in dieser Situation fühlen? Benannte Julia* entspricht ihrem Idealbild und alle, die aufs Gymnasium wollen, sollten sich besser zunächst mit ihr vergleichen, bevor sie eine Entscheidung treffen. In meinen Augen ist es eine bodenlose Frechheit, den restlichen Eltern der Klasse permanent die vermeintliche Genialität einer einzigen Schülerin unter die Nase zu halten. Wie sähen die Gymnasien aus, wenn nur glasklare 1er-Schüler dort säßen? Ziemlich leer – keine Klassengrößen von 30 Schülern. Auch Kinder, die etwas mehr lernen müssen und sich etwas weniger Druck machen, haben eine Berechtigung dazu, das Abitur als Ziel zu haben. apple-256261_1280

Viele von uns vermuten, dass nowendige steigende Schülerzahlen für die weiterführende Schule der Grund für das Miesmachen und Werben sind. Denn davon sind nach meiner Information wohl gewissen Subventionen abhängig. Es macht mich unglaublich wütend, dass die Schulwahl nun so einen manipulativen Beigeschmack bekommen hat – ist die richtige Entscheidung doch ohnehin schon schwer genug. So viele Schulen im Angebot, jede präsentiert sich derzeit glänzend durch einen Tag der offenen Tür. Meistens verlassen die potentiellen Neu-Schüler die heiligen Hallen mit leuchtenden Augen und beschließen bei jeder Besichtigung „ich glaube, ich geh hierhin!“

Welche Schule ist im Endeffekt die richtige?
Wenn man sich für den gymnasialen Zweig entscheidet – ist ein reines Gymnasium der bessere Weg oder doch lieber die Gesamtschule mit Gym-Zweig, um notfalls bei einer Querversetzung die Schule weiter besuchen zu können? An dieser Stelle sei natürlich auch die Förderstufe zu erwähnen. Hierbei handelt es sich um eine Art verlängerte Orientierungsmöglichkeit. Die Schüler bleiben bis zur 6. Klasse zusammen und dann erst erfolgt die endgültige Einschätzung der Lehrer für den weiteren Schulzweig. Ein entscheidender Nachteil hierbei: Die Entscheidung der Lehrer ist unantastbar. Wird der Schüler für einen Zweig empfohlen, ist es nicht möglich für die Eltern, sich darüber hinwegzusetzen und den höheren Zweig zu wählen. Real-Empfehlung kann somit kein Gym werden und Haupt kein Real. Meiner Meinung nach sollte die allerletzte Entscheidung immer bei den Eltern liegen, da diese ihre Kinder kennen wie niemand anders. Sicher sind Verhalten und Leistung zu Hause nicht immer mit dem in der Schule gleichzusetzen, weshalb die Beurteilung durch die Lehrer unverzichtbar ist,  jedoch trage ich auch für alle Konsequenzen die Verantwortung, also erwarte ich auch, das letzte Wort bei Entscheidungen zu haben.

In jedem Fall werde ich nach dem morgigen Gespräch, dessen Verlauf mir nach dieser Vorgeschichte schon völlig klar ist, sicher wieder genug Stoff haben, um einen weiteren Blogpost zu füllen. Ich wünsche unserer Tochter jedenfalls schon jetzt eine tolle Zeit in einer neuen Schule. Sie wird ihren Weg gehen und wir werden sie in jeder Hinsicht unterstützen. Es wird spannend….für uns alle 🙂 boy-160168_1280

 

2 Kommentare

  1. Katrin

    Wenn die Schülerzahl geringer wird, müssen evtl. auch Lehrerstellen reduziert werden, d.h. Lehrer müssen versetzt werden und je nachdem welches Profil die einzelnen Personen haben, geht auch eine Vielfalt an Angebot verloren. Die Mittelzuweisung hat natürlich auch mit der Schülerzahl zu tun, ebenso die Zahl der sog. Deputatsstunden, die einzelnen Lehrern für besondere Aufgaben zugewiesen werden können.
    Ich war selbst mal für ein Jahr mit einem Angestelltenvertrag an einer beruflichen Schule und die größte Sorge der Schulleitung war die hohe Abbruchquote in einer bestimmten Schulform, sicher auch aus den genannten Gründen. Ähnliches vermute ich auch an eurer Schule. Noch ein Grund mehr, nicht auf die individuellen Fähigkeiten jedes Kindes zu schauen.

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    1. Chrissi (Beitrags-Autor)

      Hallo Katrin,

      es klingt in der Tat so, als könne das zutreffen.
      Mathearbeiten waren von jetzt auf gleich wesentlich schlechter, die letzte lag bei ca. 65% Note 4 und schlechter. Vorher war dies undenkbar – die Lehrer prahlten mit unserer Klasse. Die Kinder bekamen das Kommentar „Ich konnte Eure Arbeit nicht weiter korrigieren – ich habe Bauchweh davon bekommen“. Die im Beitrag genannten direkten Kommentare der Klassenlehrerin an die Kinder sind das nächste Beispiel. Man tut den Kindern mit dieser Masche weh und das macht mich wütend!!! Ein guter Ruf durch vorbildliche Umgangsformen, gute Abgangsquoten etc. würde der Schule sicherlich mehr Schüler bringen….

      VG
      Christine

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