Homeoffice – eine realistische Chance für uns Mütter?

Heute erfüllen wir komplett alle Erwartungen von Arbeitgebern, die kategorisch Bewerbungen von Mütter auf den Absagestapel legen. Beide Kinder liegen im Bett und schlafen, weil sie krank sind. Zu erwarten ist, dass beide für den Rest der Woche daheim bleiben, weil sie fiebern und zu schlapp sind. Wäre ich nicht arbeitssuchend, sondern angestellt, hätte ich ein Problem und müsste mich wohl ebenfalls abmelden, um meine Kinder betreuen zu können.

Dabei frage ich mich in dem Moment, wieso bislang kaum ein Arbeitgeber ein Homeoffice anbietet. Wenn unsere Kinder krank sind, dazu Fieber haben, liegen sie meist im Bett oder auf der Couch, schlafen oder sehen fern. Zu mehr sind sie dann nicht fähig. Wir Erwachsene kennen es ja selbst. Man ist total im Eimer und gerade die männlichen betroffenen (Sorry Jungs, aber es IST einfach so!!! Jahrelange Studie!) leiden immer ein „wenig“ mehr 😉 In dieser Zeit könnte ich für einen potentiellen Arbeitgeber über mehrere Stunden am PC und/ oder am Telefon arbeiten. Die Alternative dazu ist, komplett zu Hause zu sitzen, die Arbeit bleibt liegen zu lassen bzw. an eine/n ohnehin schon völlig überlastete Kollegin oder Kollegen zu delegieren.

Allgemein ist bekannt, dass Mitarbeiter im Homeoffice oft mehr arbeiten, da ihnen so der Abend oder auch mal ein paar Stunden am Wochenende zur Verfügung stehen. Durch fleißige Studie meiner Twitter-Timeline ist mir klar, dass es auch sehr schwer sein kann, von zu Hause effektiv und produktiv zu arbeiten, weil die Kinder ständig etwas von einem wollen und den Gedankengang unterbrechen. Aber viele der Kinder sind – außer im Krankheitsfall – in der Kita, der Schule und man hat „Luft“. Zudem kann ich sagen, dass beide Kids sich ganz gut alleine beschäftigen können, wenn es nötig ist. Aber ist es nicht ein riesiger Vorteil, wenn man die Zeit, die man für den Arbeitsweg verliert, anders nutzen kann? Für Arbeit z.B.. Wie oft stand ich zu Hause im Bad, fühlte mich unwohl (z.B. Migräne oder Erkältung) und beschloss, zu Hause zu bleiben, weil der Gedanke an Fahrtweg, Hetzerei zur Kita und Dresscode das Befinden noch verschlimmerte und mich dazu brachte, zu Hause zu bleiben. Im Fall der Migräne z.B. bin ich oft nach 2-3 Std. wieder einsatzfähig – Triptane sei Dank. Zu spät für die Arbeit, noch ausreichend, um von zu Hause etwas zu schaffen.

Eigentlich sollte man ja meinen, dass diese Theorie einleuchtend ist und es wahnsinnig viele Vorteile bringt, wenn man in der Lage ist zu Hause zu arbeiten. Bei den Meisten dürfte die technische Voraussetzung darüber hinaus gegeben sein, um sich einzuloggen, home-office-569153_1920Verbindung zur Firma aufzubauen. Doch welche Gründe sprechen dagegen? Wieso sträuben sich noch heute so viele Unternehmen gegen die Möglichkeit des Homeoffice?

Sicherlich hat es vorrangig finanzielle Gründe. Um bei jedem Teilnehmer die gleichen technischen Voraussetzungen zu haben, muss in Ausstattung investiert werden, die höchstwahrscheinlich vom Standart im Büro am Dienstsitz abweicht – z.B. ein Notebook, Drucker etc. Doch meist ist jeder Cent Aufwand zuviel, da sich sonst die Vorstände 3 € weniger einstecken könnten und wieder 5 Mitarbeiter entlassen werden müssten. Die Idee ist deshalb oft schon zum Scheitern verurteilt.

Ein weiteres Problem, das mit dem eben genannten in Verbindung steht, ist die veraltete Technik in den Firmen. Never change a running system. Darauf berufen sich leider viele Firmen und scheuen sich vor Investitionen in neue, moderne Technik, die problemlos Homeoffice-Arbeit ermöglicht und eine gewisse Überwachung darstellt. Wobei ich schon beim nächsten Problempunkt bin, der sicherlich auch eine gewisse Brisanz mit sich bringt. Wir werden im Job gerne überwacht. Ich habe es mehr als einmal erlebt, dass ein Chef oder Chefchef ein abfälliges Kommentar fallen lies, wenn er den Mitarbeiter seiner Meinung nach einmal zuviel hat Kaffee holen sehen. Kann im Homeoffice nicht passieren. Hier arbeite ich quasi neben meiner Kaffeemaschine 😀 Aber Spaß beiseite…sicherlich erleiden Chefs hier einen Kontrollverlust und lehnen diese Arbeitsform deshalb ab.

Als Ex-Bankerin kenne ich natürlich auch einen weiteren, wichtigen Fakt, der Homeoffice nicht immer funktionieren lässt – der Datenschutz bzw. das Bankgeheimnis. Doch sei hier anzumerken, dass es selbst hier bei meinem alten Arbeitgeber mehrere Abteilungen geschafft haben, gesetzeskonform „Tele-Arbeitsplätze“ einzurichten, bei denen die Mitarbeiter nur 1 Tag in der Woche anwesend sein mussten am Dienstsitz. Auch eine akzeptable Variante.
Mein Mann arbeitet mind. 4 Tage im Monat zu Hause. Das spart uns zum Einen Fahrtgeld (er fährt einfach 55 km) und erleichtert mir gewisse organisatorische Spagate mit den Kindern, wenn beispielsweise die Kleine schläft, ich aber die Große zu einem Termin oder einer Verabredung bringen muss. Vom kinderlosen (uns somit wesentlich schnelleren) Einkauf ganz zu schweigen 😉

Ich habe mich gerade gestern auf eine Homeoffice-Stelle beworben und hoffe auf Erfolg, denn nach wie vor stellt dies die für mich ideale Lösung dar, um mir, meinen Kindern und meinem potentiellen Arbeitgeber gerecht zu werden.

Leider findet man bei der gezielten Suche nach diesen Jobs kaum etwas. In Zukunft hoffe ich auf Einsicht der Firmen, um uns Müttern eine bessere Chance zu gewähren, uns am Arbeitsmarkt zu etablieren anstatt uns einen Stempel aufzudrücken und uns direkt auszusortieren.

Ich weiß, dass viele von Euch – u.a. aufgrund von Selbstständigkeit – im Homeoffice arbeiten. Daher wäre es toll, wenn Ihr mir Eure Erfahrungen mitteilt. Bin ich mit meinen Erwartungen auf dem Holzweg oder würdet Ihr Euch immer wieder dafür entscheiden?

 

6 Kommentare

  1. Marion

    Hallo Chrissi,

    ich unterschreibe jedes Wort deines Artikels. So ist es. Leider!
    Als Angestellte mit chronischer Migräne habe ich mehrfach versucht, meinen Arbeitgeber von den Voreilen des Home-Office zu überzeugen. Die Triptane sorgen auch bei mir dafür, dass ich spätestens ab 10.00 Uhr einsatzfähig bin. Wenn ich dann zur Arbeit fuhr, wurde mir erklärt, dass ich entweder krank sei oder eben nicht. Als ich dann auch noch einen alleinerziehenden Mann kennen lernte und für ihn einsprang, als Sohnemann mit Fieber im Bett lag, hatte ich den nächsten Ärger am Hals. Für Stiefmütter gibt es hier schließlich keine rechtliche Grundlage, erst gegen elf im Büro zu erscheinen, selbst wenn ich dann bis sieben arbeite.
    Die technische Lösung war in meinem Fall auch ein Grund (Vorwand) der Ablehnung. Viele Arbeitgeber kleben an Prinzipien und sind scheinbar weniger an Lösungen interessiert. Das „Humankapital“ wird als solches leider nur sehr selten erkannt.

    Kurzum: Ich habe es seit anderthalb Jahren nicht bereut, meinen Job geschmissen und mich selbständig gemacht zu haben. Das Home-Office ist für viele Alltagssorgen die ideale Lösung – ob nun als Angestellte oder Selbständige. Zum Beispiel habe ich heute eine Tastatur für Linkshänder – das war bei meinem Arbeitgeber quasi unmöglich. Dafür hätte ich einen Attest vom Arzt mitbringen müssen, der mir meine „Behinderung“ bestätigt. 🙂

    In diesem Sinne wünsche ich dir viel Glück bei der Home-Job-Suche und hoffe, dass sich ein toller Arbeitgeber für dich findet und in Zukunft etwas passiert in den Köpfen der Personalverantwortlichen in deutschen Unternehmen.

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    1. Chrissi (Beitrags-Autor)

      Hallo 🙂
      Vielen Dank für Deine Meinung. Ich sehe auch wesentlich mehr Nutzen als Aufwand.
      Darf ich fragen, womit Du Dich selbstständig gemacht hast? Ich denke auch schon länger darüber nach, es will aber keine zündende Idee in meinem Kopf auftauchen….

      Liebe Grüße
      Chrissi

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  2. Ilse Maria Lechner

    Liebe Chrissi,

    du hast mit deiner Einschätzung vollkommen recht.
    Die Arbeit im Homeoffice ist zwar nicht immer ein Honigschlecken. Mütter sind Organisations-Genies und schaffen auch diese Hürde. Die Arbeit im Homeoffice macht auch in vielen Bereichen dinstzeitunabhängig. Ich arbeite manchmal schon früh morgens oder auch abends. Da sind kleine Kinder noch/schon im Bett. Natürlich geht das nicht bei allen Tätigkeiten, aber Buchhaltung, Angebote usw. kann ich auch außerhalb der üblichen Geschäftszeiten machen.

    Wichtig ist es, innerhalb der Geschäftszeit zu den vereinbarten Zeiten für Geschäftsleitung und Kunden erreichbar zu sein.

    Arbeitgeber sollten sich von der Arbeitszeit verabschieden und stattdessen ein Arbeitsleistungsmodell bevorzugen, dann klappt das auch mit dem Homeoffice.

    Lieben Gruß
    Ilse

    Antworten
    1. Chrissi (Beitrags-Autor)

      Hallo Ilse,

      Du sprichst mir aus der Seele!
      Wofür haben wir die ganzen technischen Vorteile zu Hause?
      Wofür gibt es Telefonumleitungen?

      Danke für Deine Meinung.

      Liebe Grüße
      Chrissi

      Antworten
  3. Markus

    Hallo Chrissi,

    ich arbeite fast ausschliesslich aus dem home office, nun schon seit mindestens 2 Jahren.

    Technische Ausstattung:

    Die technische Ausstattung zuhause ist bei uns nicht anders wie in der Firma. Mit dem Notebook kann ich sowieso von ueberall arbeiten und wenn der Arbeitgeber mehr als einen Standort hat sind meistens die technischen Gegebenheiten vorhanden sich zu verbinden. Da ich keinen Arbeitsplatz in der Firma habe, habe ich zuhause den Monitor den ich in der Firma haette. Internet, Strom und Raum liegt bei mir – kommt dann alles bei der Steuer in die Werbungskosten. Hier ist dann nur noch der Kampf ein Arbeitszimmer ‚bewilligt‘ zu bekommen.

    Ueberwachung:

    Um einen Mitarbeiter ins Home Office zu schicken gehoert von der Firma ganz viel Vertrauen dazu. Natuerlich kann ich meetings zu unmoeglichen Uhrzeiten annehmen, ich habe dann auch die flexibilitaet einen Teil meiner Zeit zu verschieben. Viele Firmen haben dieses Vertrauen nicht – und ich denke es ist auch von anderen oft Misbraucht worden. Vertraege zu Home Office sehen meistens auch vor, das nach vorheriger Absprache jemand die Arbeitssicherheit zuhause ueberpruefen kann bzw. das die Firma dich in einen Standort beordern kann oder aus dem Home Office ganz abziehen kann.

    Versicherung:

    Fuer einen Arbeitsplatz in der Firma zahlt der Arbeitgeber eine Inhaltsversicherung. Equipment das man nach Hause mitnimmt (Monitor, Notebook) unterliegt fuer gewoehnlich nicht dieser Inhaltsversicherung. Nur kann sich deine Haftpflichtversicherung auch quer stellen wenn dein Kaffee sich nun in dem Notebook befindet. Sollte zumindest von vornherein angesprochen werden und schriftlich festgehalten werden. Eventuell kann deine Haftpflicht das mit einschliessen gegen Mehrpreis den du dir erstatten laesst – einfach mal schlau machen.

    Arbeitssicherheit:

    Ich denke ein Punkt der oft vergessen wird ist die Arbeitssicherheit. Ganz klar muss diese weiterhin eingehalten werden. Damit verbunden ist Wegesicherheit, Licht, Schreibtisch, Stuhl.

    Steuer:

    Wie schon erwaehnt ist das Arbeitszimmer schwer zu erreichen (zumindest hoert man das). Es macht also Sinn sich gleich von seinem Arbeitgeber bestaetigen zu lassen, das man und welchen Anteil man im Home Office arbeitet. Das Arbeitszimmer laesst sich mitsammt Kosten (Anschaffungen zur Arbeitssicherheit, Anteilig Strom Telefon Wasser und Internet) als Werbungskosten annehmen. Weg fallen die Werbungskosten fuer den Weg zur Arbeit. Ganz viel Spass hast Du mit dem Finanzamt wenn Dein Arbeitgeber im Ausland ist und das Home Office sich in Deutschland befindet.

    Kollegen:

    Ein nicht zu verkennender Faktor. Ich arbeite zwichen 3 Zeitzonen (Europa, Ostkueste USA (-6h), Indien (+4:30h)) und versuche so oft es geht und es das Budget erlaubt in unsere Bueros zu kommen. Die Kommunikation am Kaffeautomat wird sehr oft unterschaetzt. Auch muss man sich klar machen das man die Kollegen sehr selten sieht, also sind Videokonferenzen sehr sinnvoll. Alles in allem ist es wohl einfacher in einem Betrieb der von vornherein auf verteiltes Arbeiten ausgelegt ist in ein Home Office zu gehen als in einem der nur an einem Standort vertreten ist.

    Fazit:

    So fern man eine Balance findet, sich regelmaessig mit Kollegen auszutauschen und in ein Buero zu kommen wuerde ich jederzeit fuer ein Home Office entscheiden. Falls Du mehr wissen willst kannst Du mich gerne ansprechen 😉

    Gruss,

    Markus

    Antworten
    1. Chrissi (Beitrags-Autor)

      Hi Markus,
      vielen Dank für Deine umfangreiche Info.
      Dies alles sind natürlich Faktoren, die man bedenken muss und viele Firmen nach wie vor abhalten, diese Hürde zu überwinden.
      Den Kollegen-Faktor stelle ich selbst weit hinten an, da ich noch nie der Mitläufer war, z.B. seltenst mit in der Kantine war etc., Abteilungsfeste gemieden habe.

      Ich komme sicherlich nochmal auf Dich zu. Vielen Dank 🙂

      LG
      Chrissi

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