Bewerbung mal anders – pfeif‘ auf die Norm!

Sehr geehrte Personalchefs,
sehr geehrte Geschäftsführer(innen),

ich bin eine hochmotivierte potentielle Mitarbeiterin Ihres Unternehmens. Möglicherweise habe ich mich in den vergangenen Monaten meiner nervenaufreibenden Jobsuche bereits bei Ihnen beworben. Doch habe ich auf verschiedenen Wegen gelernt ( und das bestätigt mir auch mein gesunder Menschenverstand ), dass man im Bewerbungsschreiben besser einer gewissen Norm folgt, um nicht gleich von Ihnen bei der ersten Sichtung der Bewerbungen aussortiert zu werden. Inzwischen frage ich mich jedoch, ob dies nicht ein Trugschluss ist und Ihnen die Vorsortierung nicht eher vereinfacht.

Ich habe eine sehr ordentliche Ausbildung als Bankkauffrau genossen. Ein vor 16 Jahren noch sehr angesehener Beruf. Die Entscheidung, diesen zu erlernen war aus heutiger Sicht ein Fehler, denn deutlicher hätte ich an meinen Stärken und Interessen nicht vorbeilernen können. Viele Menschen sind während des Abiturs noch orientierungslos. Sie kennen den Fall „Lerne erst einmal etwas Gescheites, dann kannst Du immer noch studieren oder umlernen.“ Die Realität ist leider nicht so flexibel. Dennoch habe ich mein Metier beherrscht und einschließlich der Ausbildungszeit immerhin zehn Jahre ausgeübt, immer zur vollsten Zufriedenheit meiner Vorgesetzten. Doch ist es in Deutschland wirklich unumstößlich, dass der Lehrberuf die Vorgabe bis zur Rente ist? Kann tatsächlich nur ein neuer beruflicher Weg eingeschlagen werden, wenn man bereit ist, seine Kinder bis abends um 18:00 in eine Fremdbetreuung abzuschieben? Diesen Hinweis erhielt ich erst kürzlich bei der Arbeitsagentur…

Mir wurde auch empfohlen, meine Kinder in der Bewerbung zu verschweigen, um erst einmal ein Vorstellungsgespräch zu bekommen. Sicher halten Sie diese Idee für ebenso absurd wie ich. Meine beiden Kinder haben mich zu dem Menschen gemacht, der ich bin und mit dem Sie möglicherweise in den nächsten Jahren zu tun haben könnten. Sie sind ein fester Bestandteil meines Lebens und meine Tagesplanung richtet sich selbstverständlich danach, wann Schule und Kita zu Ende sind, weshalb für mich auch nur eine Teilzeitbeschäftigung in Frage kommt. Doch ist dies ein ausreichender Indikator dafür, dass ich unzuverlässig sei, ständig ausfalle und immer auf dem Sprung bin und qualitativ minderwertigere Arbeit abliefere? Definitiv nicht!

Ich stelle mir eher nachfolgende Fragen an Sie:

  • Warum vertrauen Sie ungerne auf Teilzeitkräfte?
  • Warum fehlt Ihnen das Vertrauen und die Bereitschaft in die Schaffung von Homeoffice- Plätzen?
  • Wie ist Ihr tatsächliches Bild einer Mutter am Arbeitsplatz?

Wie Sie an der Entscheidung einen Blog aufzubauen sicher unschwer erkennen können, liebe ich das Schreiben. Mir fehlen nie die Worte, auch nicht, wenn ich zeitlich völlig unter Stress stehe. Ich bin sehr kreativ, sprühe meist vor Ideen und ja, man lernt in der Tat auf organisatorischer Ebene durch die Aufgaben als Mutter viel hinzu. Arbeits-Stress ist nicht zu vergleichen mit dem Stress, den man mit pubertierenden Töchtern durchmacht. Somit seien Sie gewiss – meine Stress-Schwelle liegt inzwischen sehr, sehr hoch.

Meine Identität als Blogger setzt voraus, dass ich mich im Bereich soziale Netzwerke sehr gut auskenne und diese auch ausreichend nutze. Einen Blick in mein Facebook-Profil können Sie sich an dieser Stelle sparen – für die Öffentlichkeit gesperrt und obendrein todlangweilig.

Sofern Sie also jemanden suchen, der kaufmännisches Wissen hat, gut mit modernen Medien umgehen kann, durch die Tastatur eigentlich immer etwas zu sagen hat, aber offen dazu steht, dass die Kinder das Wichtigste im Leben sind, dann dürfen Sie sich sehr gerne bei mir melden!

Taten überzeugen mehr als ein Lebenslauf. Lassen Sie uns zeigen, was wir draufhaben. Bieten Sie uns Chancen an, uns als mindestens gleichwertige Arbeitskraft zu beweisen wie es kinderlose Mitarbeiter in Ihren Augen oftmals zu sein scheinen. Schaffen Sie hierzu Möglichkeiten und werden Sie sich darüber bewusst, wie viele potentiell exzellente Angestellte Ihnen durch die bisherige Ignoranz bei der Sichtung der Bewerbungsunterlagen entgangen sind!

Frohes Schaffen noch….

3 Kommentare

  1. Jasmin

    Toller Post. Bin auch gerade auf Jobsuche…mal wieder und habe als letztes gehört ich sei überqualifiziert. Ich wurde daher nicht mal eingeladen. Andere nehmen mich nicht, weil ich den Anforderungen nicht entspreche. Andere widerum wollen viel Leistung für wenig Geld.

    Ich wünsch dir ganz viel Erfolg bei der Suche und alles Gute!

    Lg Jasmin

    Antworten
    1. Chrissi (Beitrags-Autor)

      Hi Jasmin,

      vielen Dank!

      Gerade heute habe ich wieder eine Absage bekommen…für einen 450 €-Job.
      Ich weiß einfach nicht mehr, was eigentlich erwartet wird. Vielleicht verschicke ich den Post mal per Mail an die Chefs…….

      Dir auch viel Erfolg weiterhin!

      LG
      Chrissi

      Antworten
  2. Pingback: Mütter auf Jobsuche – doch kein uninteressantes Thema? | good2bmum.de

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