Alarm! Alarm! – Auszüge aus dem adrenalinösen Leben einer Sparkassen-Angestellten

Der Schalterdienst bei den Sparkassen ist im Grunde – so mein Empfinden – ziemlich langweilig. Dafür muss man geboren sein. Stundenlang stehen im feinen Hosenanzug, immer brav lächeln, Zahlen jonglieren, Cross-Selling beherrschen. Das waren genug Gründe für mich, diesem Verein nach Ausbildung und einem anschließenden Jahr als Springer den Rücken zu kehren und im Hntergrund zu arbeiten. Doch gab es ein paar Momente, die ich noch heute gerne erzählen, weil sie im Nachhinein betrachten einfach saukomisch waren.

Einmal wurde ich als dritte Person in einer Filiale eingesetzt und zum Kassendienst verdonnert – dafür sind Springer immer zu gebrauchen 😉 Kurze Einweisung über die Alarm-Anlagbutton-576775_1280e und der Dienst konnte angetreten werden. Der Vormittag verlief ruhig, bis plötzlich nach Ankündigung die Polizei vor der Tür stand. Da hat das liebe Schussel-Chrissi einen Fehlalarm ausgelöst!!! Sofern dies geschieht und dabei die Polizei schon auf der Matte steht, muss ein Mitarbeiter mit einer hochgehaltenen Entwarnungs-Karte, die etwa die Größe eines A4-Blattes hat, das Gebäude verlassen, um dem Freund und Helfer zu signalisieren, dass er bitte nicht schießen soll…
Meine liebe Kolleginnen zeigten mir als Reaktion auf meinen flehenden Blick lediglich einen dezenten Vogel und schickten mich mit diesem rot leuchtenden Teil vor die Tür, da ich es schließlich auch verbockt habe. Letztendlich war mein Kopf aus Scham in dieser Situation viel roter als die Karte und die Polizisten – beides junge Typen – kringelten sich vor Lachen, als ich rauskam. Als sich kurz darauf rausstellte, war einer der beiden ein ehemaliger Mitschüler meiner älteren Schwester, weshalb sich Gott sei Dank ein krampflösendes Gespräch entfaltete und er mich mit Grüßen an selbige wieder zur Arbeit entließ. Ich löste danach nie wieder einen Fehlalarm aus 😉

Ebenfalls recht amüsant, aber gleichzeitig auch Tatort-tauglich die nächste Vertretung in einer Ein-Mann-Filiale, die es inzwischen nicht mehr gibt. Die übliche Absicherung wie vergitterte Fenster etc. ließ man hier vermissen, was sowohl beim Betreten der Filiale, als auch während des Arbeitstages für Unbehagen sorgte. Doch dies lies sich alles einigermaßen ertragen……solange ich nicht morgens…..im Dunkeln….alleine….die Filiale aufschließen und vorbereiten musste. Nach dem ersten Stoßgebet, dass mich der Dorfkiller nicht gleich hinter der Haupteingangstür erwartet hat, stand mir täglich die größte Herausforderung bevor. Der Tresor der Filiale, den ich morgens öffnen musste, um die Kasse für den Kundenbetrieb zu füllen, befand sind im Keller. step-453090_1280Einem sehr dunklen Keller! Um dorthin zu gelangen, musste ich eine ziemlich lange Treppe ohne Beleuchtung hinabsteigen und zwar unbewaffnet . Es war ein täglicher Gang ins schwarze Nichts mit der Horror-Musik aus „Psycho“ im Ohr. Unten angekommen, wäre es einfach gewesen, einfach um die Ecke zu fassen, den Lichtschalter zu ertasten und einzuschalten. Oder besser noch – ein außenliegender Lichtschalter. Aber nein, das wäre viel zu unspektakulär…man musste ca. 2-3m in den Dark-Room-Tresorraum hineingehen, um das Licht einzuschalten. Genug Zeit für einen bankraubenden Serienmörder, um dort mit Messer, Knarre, Betäubungstuch oder sonstigen kriminellen Hilfsmitteln auf mich zu warten…
Ja…doch…waren nette vier Wochen in dem Laden….. 😉

Meine letzte, einschneidende Erinnerung mit „Alarm“-Hintergrund spielte in einer großen Filiale der Sparkasse, wo ich ausnahmsweise keinen Kassendienst verrichtete, sondern hinterm Schalter Dienst tat, teils am Schreibtisch. Am besagten Tag war die Filiale voll, sowohl am Schalter, als auch an der gegenüber liegenden Kasse war viel los. Plötzlich klingelte das Telefon, Chrissilein ging pflichtbewusst ran. Womit ich nicht rechnete – es war ein Anruf, der auf einen ausgelösten Alarm in unserer Filiale hinwies! (Mehr darf ich an dieser Stelle nicht dazu sagen.) Langsam und vermutlich kreidebleich drehte ich den Kopf mit aufgerissenen Augen in Richtung Kasse, wo sich inzwischen eine beachtliche Schlange gebildet hatte. Meine Kollegen, die mir gegenüber saßen, wurden unruhig und ich versuchte, ihnen wild gestikulierend mitzuteilen, was los ist.keyboard-114439_1280 Ich stotterte mir einen ab und konnte kaum mehr was sagen, da ich jede Sekunde damit rechnete, dass sich die Kasse-Kunden kreischend auf den Boden schmeißen und wir den Pistolen-Lauf vor der Nase haben. Es dauerte eine Weile, bis ein Mitarbeiter, der zufällig des Weges kam, einfach mal todesmutig zur Kasse lief und nachsah, was Sache ist. Und wieder….Fehlalarm. Ich war bedient für den Tag und spätestens, nachdem ich einige Wochen später in einer Filiale anrief, um etwas internes zu klären und daraufhin zur Antwort bekam „geht gerade nicht – wir wurden überfallen und an die Tische gekettet“ wusste ich, dass dies nicht meine Welt ist und ich mir schleunigst etwas anderes suchen sollte…ohne Alarmanlagen. 😉

Ganz schön adrenalinhaltig, so ein Sparkässler-Leben!

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